Senta Berger auf dem Filmfestival:
28. März, 21:00 Preisverleihung

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»Ich bin ein Glückskind.« – das sagt Senta Berger über sich, ihr Leben, ihre Karriere. Und die ist so ziemlich beispiellos. Es begann mit deutschem 50er-Jahre-Kintopp, dem Auftritte neben großen Stars der 60er Jahre in Hollywood folgten, ehe sie nach Europa zurückkehrte und filmisches Neuland zu erkunden suchte. Kaum ein Genre, das sie nicht ausprobiert hat – vor und hinter der Kamera – sogar als Produzentin. Und sie versteckte sich nicht hinter Star-Glamour, sondern trat immer wieder unerschrocken an die Öffentlichkeit, um Willy Brandt Wahlhilfe zu geben und wie damals mit vielen anderen Frauen im Rahmen der legendären Aktion des Magazins »Stern« – »Ich habe abgetrieben« – teilzunehmen.

Senta Berger, am 13. Mai 1941 geboren, wuchs in Lainz im 13.  Wiener Bezirk auf. Ihr Vater Josef Berger war Musiker, mit ihm trat sie bereits im zarten Alter von fünf Jahren auf. Die Familie wohnte in einem Gemeindebau der Stadt Wien in einer winzigen Wohnung, in der aber immer das Klavier des Vaters stand. Das größte Glück für sie und ihre Mutter war der kleine Schrebergarten. »Meine Kindheit hat mich geerdet und gibt mir Halt!«, sagt sie. Mit 14 Jahren entschied sie, Schauspielerin zu werden, nahm privaten Unterricht, wurde am Max Reinhardt Seminar angenommen – und bald entlassen, weil sie ohne Erlaubnis eine kleine Rolle neben Yul Brynner in dem Film »The Journey« von Meisterregisseur Anatole Litvak angenommen hatte. Aber bereits 1958 wurde sie jüngstes Mitglied am Wiener Theater in der Josefstadt.

Und dann kam das Kino mit Produzent Artur Brauner, er engagierte sie für den Film »Der brave Soldat Schweijk« mit Heinz Rühmann. Und Bernhard Wicki wollte sie für »Das Wunder des Malachias«, ein satirisches Sittenbild der bigotten Gesellschaft zu Zeiten des florierenden Wirtschaftswunders.

1962 folgte sie dem Lockruf nach Hollywood und drehte mit Stars in Serie: Charlton Heston, Frank Sinatra, Dean Martin, Rita Hayworth, Kirk Douglas, John Wayne und Yul Brynner. Sie spielte in Filmen wie in dem US-Bürgerkriegsfilm »Sierra Charriba« des Regisseurs Sam Peckinpah und »Der Schatten des Giganten« (1966), einem Film über die Entstehungsgeschichte des Staates Israel – mit Senta Berger als die Kämpferin Magda Simon.

1966 hat Senta Berger den – späteren – Regisseur Michael Verhoeven geheiratet: »Er hat mir geholfen, ein Selbstbewusstsein zu erarbeiten – was man braucht, um in diesem Beruf überhaupt Licht zu sehen. … Ich war mir in Amerika meiner Abhängigkeit als Schauspielerin sehr bewusst geworden«. Folgerichtig gründete das Paar Mitte der 60er Jahre eine eigene Produktionsfirma – »Sentana«. 1969 kehrte Senta Berger nach Europa zurück, ging mit Verhoeven zunächst nach Rom, wo sie gerne lebte. Die jungen deutschen Filmemacher waren dagegen zurückhaltend, zu sehr verband man Senta Berger mit »Opas Klischee-Kino«. Aber Volker Schlöndorff gab ihr dennoch die Hauptrolle in seiner Gesellschafts-Satire »Die Moral der Ruth Halbfass«.

In dem deutschen Straßenfeger-TV-Krimi »Babeck« singt sie sogar: »Vergiss mich, wenn du kannst«. Und sie konnte singen! Ambitionierte Filme in Eigenproduktion entstanden: »Mutters Courage« nach dem Theaterstück von George Tabori, »Das schreckliche Mädchen« nach dem Vorbild der mutigen jungen Anja Rosmus, die ihre Heimatstadt Passau mit deren verdrängter NS-Vergangenheit konfrontierte. Und dann der ganz starke Film über die Geschwister Scholl, »Die weiße Rose«, – der erfolgreichste Film des Kinojahres 1982 !

1985/86 kam der TV-Satire-Edelstein über die Münchner Schickeria – »Kir Royal« – mit Franz Xaver Kroetz als rotierender Baby Schimmerlos und Senta Berger als seine umwerfende lakonisch-eigenwillige Partnerin Mona.

Als eindrucksvolle Charakterdarstellerin mit feinem Sinn für Zwischentöne erwies sich Senta Berger in »Frau Böhm sagt Nein«, einem Fernsehfilm aus dem Jahre 2009, ebenso neben Bruno Ganz in dem Kinofilm »Satte Farben vor Schwarz« (2010). Von 2002 bis 2019 gestaltete sie in der TV-Krimiserie »Unter Verdacht« die so spröde wie hartnäckige Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek. Bereits der Pilotfilm »Verdecktes Spiel« erhielt 2003 den Adolf-Grimme-Preis. Der Spielfilm »Willkommen bei den Hartmanns« wurde ein Riesenerfolg in der Regie von Simon Verhoeven, Senta Bergers Sohn, mit ihr in einer Hauptrolle. Der Film erreichte 2016 in Deutschland fast 4 Millionen (!) Zuschauer.

Unmöglich, all ihre Aktivitäten zu benennen – unzählige Filmpreise und Ehrungen pflastern ihren einzigartigen Weg durch die Filmlandschaften. In der Tat: Senta Berger ist ein »Glückskind«.

Jochen Schmoldt
Journalist
Nürnberg

Filme mit Senta Berger

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