
Nebil Özgentürk
Der Journalist, Autor, Produzent und Regisseur Nebil Özgentürk wurde in Adana geboren. Er absolvierte die Fakultät für Betriebswirtschaft an der Ege-Universität. Seine journalistische Laufbahn begann er als Reporter im Izmir-Büro der Zeitung Günaydın und setzte sie bei der Sabah-Zeitung in Istanbul fort. Während seiner journalistischen Tätigkeit bereiste er ganz Anatolien, beobachtete zahlreiche politische Ereignisse und führte Interviews mit vielen politischen Führungspersönlichkeiten. In Rumänien, Abchasien sowie während des Golfkriegs arbeitete er als Kriegsberichterstatter. Zunächst wurde er vor allem als Journalist bekannt.
1990 begann er bei der Zeitung Sabah als Kolumnist; seine Interviews fanden große Resonanz. Auf den ihm gewidmeten Zeitungsseiten veröffentlichte er zahlreiche außergewöhnliche Porträt-Interviews. Seine Kolumnen erschienen später in Buchform unter den Titeln Bir Yudum İnsan, Unutulmayanlar, Yıllar und Yüzler.
Die 1998 bei ATV gestartete und später bei CNN Türk fortgesetzte Dokumentarfilmreihe Bir Yudum İnsan prägte eine ganze Fernsehepoche. Von Çetin Altan über Türkan Şoray bis hin zu Lefter und Cem Yılmaz zogen Persönlichkeiten der jüngeren türkischen Geschichte mit ihren Lebensgeschichten und Erinnerungen ein Millionenpublikum vor die Bildschirme. Anschließend realisierte er als Produzent, Regisseur und Autor die jeweils rund 1000 Minuten umfassenden Dokumentationen Türkiye’nin Hatıra Defteri und Sanatımızın Hatıra Defteri. Mit der Sendung Yaşamdan Dakikalar, die acht Jahre lang ausgestrahlt wurde, stellte er einen Rekord im Kulturbereich auf und gewann zahlreiche Auszeichnungen. Zudem konzipierte und leitete er die Kulturprogramme Dünya Bir Oyun Sahnesi (moderiert von Kenan Işık) und Güzel Şeyler (moderiert von Ferhat Göçer).
Gemeinsam mit Can Dündar realisierte er die Dokumentation Zeugnisse aus der intellektuellen Geschichte Istanbuls. Es folgte Asırlık Yüzler, eine Dokumentation über Menschen, die über 100 Jahre alt wurden, und ihre Lebensweisheiten. Zusammen mit Can Dündar und Coşkun Aral schuf er außerdem die elfteilige Reihe Biz – Kültür Yolcuları, die sich mit bedrohten Kulturen sowie den unterschiedlichen Glaubensrichtungen und Identitäten der Türkei befasst. Weitere Arbeiten sind At Sevdası – Von der osmanischen Zeit zur Republik, Kadınımızın Hatıra Defteri sowie Almanya’ya Göçün Hatıra Defteri, das 57 Jahre Migration nach Deutschland anhand eindrücklicher Geschichten und Anekdoten beleuchtet.
Er drehte eine Dokumentation über das Leben des Nobelpreisträgers Prof. Dr. Aziz Sancar und führte Regie bei Sabahattin Ali – Auf der Spur der verlorenen Gebeine, in der er gemeinsam mit dessen Tochter Filiz Ali das Schicksal des ermordeten Schriftstellers nachzeichnete. In Nâzım Aramızda, das er produzierte und inszenierte, vermittelte er das Leben des Dichters Nâzım Hikmet mithilfe von Spielszenen mit Şahin Sancak an neue Generationen. Außerdem realisierte er eine Dokumentation über den Journalisten und Autor Uğur Mumcu.
In seinen Filmen porträtierte er nicht nur Kulturschaffende wie Yaşar Kemal, Tarık Akan oder Orhan Kemal, sondern auch bedeutende Persönlichkeiten der Politik, darunter Mehmet Moğultay und Adnan Kahveci. Er war zudem Gesamtregisseur einer Dokumentation über die Geschichte des türkischen Sportjournalistenverbands (Türkiye Spor Yazarları Derneği). Weitere Arbeiten widmete er der Pilotin Madelet Grabbe Başusta sowie dem Leben des Schriftstellers und Musikers Zülfü Livaneli in Livaneli – Die Geschichte eines Menschen und eines Landes.
Nebil Özgentürk ist Autor von mehr als 20 Büchern und wurde für seine Arbeit im Journalismus, Fernsehen sowie im Kultur- und Kunstbereich mit Hunderten von Preisen ausgezeichnet.