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57 Filme

Festival 2008

Sektion:
DOKU Ehrengäste Filmlandschaften Wettbewerb Kurzfilm Wettbewerb Spielfilm
Filmlandschaften
DE · 2008 · 97 · OF

"Nur einmal gut essen gehen" Arm und Reich in Deutschland

Regie / Gerhard Faul

Die Schere »Arm-Reich« geht immer weiter auseinander: Rund 11 Millionen Deutsche leben am Rand der Armutsgrenze oder darunter. Da ist etwa Hella Stich – sie hat fünf Kinder großgezogen, arbeitete ein Leben lang in Fabriken: 780 Euro Rente. Zum Vergleich: Josef Ackermann, Deutsche Bank, verdient pro Jahr geschätzte 13 Millionen Euro. Die Zukunft soll also dem Turbo- und Heuschreckenkapitalismus gehören, dem man sich widerstandslos unterwirft? Gerhard Faul lässt Betroffene wie auch Fachleute zu Wort kommen, dazwischen stellt er Bilder des Aufmarsches von Macht, Geld & Eitelkeit: gedreht beim Nürnberger Opernball!

Filmlandschaften
TR · 2007 · 103 · OmU

Adem’in Trenleri

Adam und der Teufel

Regie / Barış Pirhasan

Die Dorfbewohner staunen: Da kommt ein Imam namens Hasan mit Frau und Tochter in ein Dorf an einer Eisenbahnstation – mitten in Anatoliens tiefster Provinz. Dort lehrt er nun an der Dorfschule Religion während des Ramadan. Der kleine Sohn des Bahnstationsaufsehers, Adem, gerät in den Sog seiner bildhaften Erzählungen über Tod und Teufel, Himmel und Erde. Er ist fasziniert davon und zugleich äußerst verwirrt. Hasan wiederum irritiert die Dorfbewohner durch sein seltsames Gebaren mit Frau und Kind, und eines Tages muss er das »Geheimnis« lüften, das ihn zu seiner Flucht in das Provinzkaff veranlasste: Er hat die Frau geheiratet, als sie nach ihrer Schwangerschaft vom eigentlichen Vater sitzengelassen worden war.

 

Pirhasans Film erzählt eine äußerst anrührende Liebesgeschichte, die er eng verknüft mit dem Provinzmilieu, bildstark und sehr atmosphärisch in Szene gesetzt.

Mit Nurgül Yeşilçay, Cem Özer, Derya Alabora

Filmlandschaften
DE · 2007 · 30 · OF

Adems Sohn

Regie / Hakan Savaş Mican

Ali saß sechs Jahre im Gefängnis, weil er seine Zwillingsschwester getötet hat. Jetzt erhält er erstmals Ausgang, aber niemand von seiner Familie freut sich über seine Ankunft, nur die alten Freunde im Kiez. Ali jedoch will unbedingt zur Hochzeit seines Bruders gehen, der eine Deutsche heiratet – dort will man ihn nicht haben. Ali bleibt stur ...

Filmlandschaften
CYP · 2006 · 124 · OmU

Akamas

Regie / Panicos Chrysanthou

Was passiert, wenn Fanatismus absurde Züge bekommt und wie verhalten sich Menschen dazu, die politischem Irrsinn nicht folgen wollen? Die Rede ist von Zypern, in der Sicht von Panicos Chrysanthou einst fast eine Idylle des Zusammenlebens von Türken und Griechen, Christen und Muslimen. Er erzählt den bis heute ungelösten Konflikt anhand einer ganz einfachen Geschichte:

Ein junger Türke namens Omeris wächst während der »unschuldigen Jahre« mit griechischen Zyprioten auf und verliebt sich in eine junge Griechin. Als plötzlich der Konflikt ausbricht und rasch absurde Züge entwickelt, kämpft er mit dem Dilemma, einen allein aus politischen Gründen geschaffenen Graben überspringen zu müssen, um mit dem Menschen zusammen sein zu können, den er liebt. Der realen Teilung des Landes in zwei feindliche Zonen folgte die mentale: Wo vorher Zusammenleben möglich war, herrscht jetzt Feindseligkeit.

 

»Akamas« ist eine Halbinsel im Westen Zyperns, symbolischer und realer Ort der Filmgeschichte. Die Schönheit der Landschaft und das »homerische Licht«, das auf sie fällt, repräsentieren den schmerzlichen Kontrast zu dem realpolitischen Trauerspiel.

Mit Christopher Greco, Agni Tsangaridou, Thodoris Michaelidis, Alkis Kritikos, Derman Atik, Hagide Osman

Wettbewerb Kurzfilm
F/D · 2007 · 7 · OmU

Amin

Regie / David Dusa

Eine Großstadt wie Paris kann sehr eintönig und kalt sein, besonders, wenn man in den Vororten lebt. Ein kleiner Junge sitzt bei seinem Vater im Auto und macht imaginäre »Fotografien«, als die Polizei das Auto stoppt. Ein Licht geht nicht, Ausländer mag man nicht besonders, und schon kommt ein Strafzettel. Da explodiert der kleine Junge ...

Wettbewerb Kurzfilm
DE · 2007 · 6 · OF

Apple & Ei

Regie / Ahmet Taş

Fast schon Sphärenmusik, wenn man einmal türkischen Obst- und Gemüsehändlern auf einem Berliner Marktplatz zuschaut und hört, was sie wie sagen – vier Tage pro Woche, jeden Tag acht Stunden lang! Wenn man so etwas filmt, mit Musik unterlegt und die Bildsequenzen zu den Rhythmen schneidet, hat man eine aberwitzige Choreografie ohne Tänzer!

Filmlandschaften
DE · 2007 · 122 · OF

Auf der anderen Seite

Regie / Fatih Akın

»Gegen die Wand« war ein riesengroßer Erfolg und machte Fatih Akın international bekannt. Umso überraschender nun dieser längst auch mit zahllosen Preisen überhäufte Film, der wesentlich leisere Töne anschlägt. Der Film, zweiter Teil der geplanten Trilogie »Liebe, Tod und das Böse«, spielt vornehmlich in Bremen und Istanbul und erzählt die Geschichten von sechs Menschen, deren Wege sich kreuzen, ohne dass sie voneinander wissen. »Jeder Tod«, sagt Fatih Akın, »ist auch eine Geburt, weil er die Tür zu einer anderen Dimension öffnet«.

 

Da ist der zurückgezogen lebende Witwer Ali. Er holt die Prostituierte Yeter zu sich – zur Irritation seines Sohnes Nejat, eines jungen deutschen Professors. Kontakt entsteht, als er erfährt, dass sie ihrer Tochter Ayten regelmäßig Geld für ihr Studium heimschickt. Nach Yeters plötzlichem Tod reist Nejat in die Türkei, um Ayten zu suchen. Die ist freilich vor der türkischen Polizei wegen politischer Aktivitäten auf der Flucht – und in Deutschland bei einer Freundin untergetaucht ...

 

Ein Film wie eine Odyssee der Seelen, spannend, irritierend und sehr intelligent!

Mit Nurgül Yeşilçay, Baki Davrak, Patrycia Ziolkowska , Tunçel Kurtiz, Nursel Köse, Hanna Schygulla, Lars Rudolph

Filmlandschaften
DE · 2007 · 103 · OF

Beautiful Bitch

Regie / Martin Theo Krieger

Die 15-jährige Bica alias »Bitch« schlägt sich allein und verwahrlost auf den Straßen von Bukarest durch. Da begegnet sie dem Ex-Polizisten Cristu, der sie mit falschen Versprechungen weglockt: Sie kommt nach Düsseldorf, um dort ordentliches Geld für sich und ihren innig geliebten kleinen Bruder zu verdienen. Der Job entpuppt sich freilich als organisierter Bandendiebstahl: Bitch und andere rumänische Kinder bilden eine solche »Truppe«, sie hausen auch miteinander in einem miesen Wohnloch, harsch herumkommandiert von Cristu. Eines Tages, bei einem Diebeszug, lernt Bitch ein »normales« Mädchen, einen Teenager namens Milka, aus der Welt der Bürger kennen und erfährt die Freuden des Lebens ohne Angst und Druck. Fortan führt sie eine Art »Doppelleben«, bis Cristu es bemerkt und sie mit Gewalt von der »anderen Welt« fernhalten will. Da freilich kommen ihre neuen Freunde ins Spiel!

 

Äußerst überzeugend und vital: die junge Katharina Derr als Bitch. Regisseur Theo Krieger wurde bereits für das Drehbuch zu »Beautiful Bitch« im Rahmen des 17. Internationalen Filmfestes Emden preisgekrönt.

Mit Katharina Derr, Sina Tkotsch, Patrick von Blume

Wettbewerb Kurzfilm
DE · 2007 · 11 · OmU

Bende sıra

Ich bin dran

Regie / Ismet Ergün

Eine Hommage an das Vorstadtkino: Kleine Jungs veranstalten auf einem öden Spielplatz Abzählreime miteinander. Der Sieger darf ins Kino und muss hinterher den anderen erzählen, was er gesehen hat. Aber dann ist da noch ein Mauerblümchen, das bislang alle übersehen haben ...

Filmlandschaften
TR · 2007 · 120 · OmU

Beyaz Melek

Weißer Engel

Regie / Mahsun Kırmızıgül

Der sterbenskranke alte Ahmet will seinen Söhnen nicht zur Last fallen und flüchtet heimlich aus dem Krankenhaus in ein Altersheim, wo er herzlich aufgenommen wird. Dort spüren ihn seine überraschten Kinder dennoch auf. Schließlich entsteht eine durch Zufall bunt zusammengewürfelte Gruppe, die beschließt, ohne Ziel auf die Reise zu gehen: vom Westen bis in den Osten der Türkei.

Es ist ein Roadmovie der ganz anderen Art, denn hier sind es nicht heftige Abenteuer & Action, sondern menschliche Begegnungen und Berührungen, die zu überraschenden Erfahrungen führen. Es ist eine sentimental journey, die für alle Beteiligten eine ganz neue Perspektive gegenüber dem eigenen Leben und der sie umgebenden Welt bringt.

 

Regisseur Mahsun Kirmizigül ist als Musiker und Sänger sehr bekannt in der Türkei. In seinem Filmdebüt »Beyaz Melek – Weißer Engel« tritt er als Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler und Produzent auf und schuf einen intelligenten, äußerst atmosphärischen und sehr warmherzigen Film mit einem hinreißenden Schauspielerensemble!

Mit Yıldız Kenter, Mahsun Kırmızıgül, Nejat Uygur, Sarp Apak, Arif Erkin, Ali Sürmeli, Yavuz Bingöl, Emel Sayın

Filmlandschaften
Tr · 2006 · 106 · OmU

Beynelmilel

Die Internationale

Regie / Sırrı Süreyya Önder & Muharrem Gülmez

Adıyaman im Jahre 1982 zu Zeiten der Militärjunta: Selbst Musik unterliegt der Zensur. In einem Dorf darf eine Blaskapelle nur unter bestimmten Auflagen öffentlich auftreten und muss sogar Uniform tragen – freilich die der französischen Fremdenlegion. Die Tochter des Kapellenleiters ist verliebt in einen jungen Kommunisten, von ihm erhält sie eine Tonaufnahme der »Internationalen«. Dem Vater geht sie ins ahnungslose Ohr, er studiert sie durchaus naiv mit seiner Kapelle ein, was selbst den örtlichen Statthaltern gefällt – und man spielt sie bei schlussendlich einem großen offiziellen Festakt, zu dem hohe politische Juntabonzen erscheinen. Zugleich werden von Demonstranten rote Transparente mit Protestparolen entrollt. Ein Desaster mit tödlichem Ausgang.

 

Sirri Süreyya Önder erzählt freilich keine Tragödie in seinem Film, sondern konzentriert sich auf sehr menschliche Aspekte, ganz frei von jeder Melodramatik, mit leichter Hand inszeniert. Was als Komödie daherkommt, endet freilich ganz konsequent und sehr abrupt.

Mit Cezmi Baskın, Özgü Namal, Umut Kurt, Bahri Beyat, Meral Okay, Nazmi Kırık, Dilber Ay, Oktay Kaynarca

Ehrengäste
TR · 2005 · 65 · OmU

Bir Yudum İnsan: Zülfü Livaneli

Eine Priese Menschlichkeit: Zülfü Livaneli

Regie / Nebil Özgentürk

Regisseur Nebil Özgentürk nähert sich Livaneli mit persönlichen Interviews und Archivbildern, indem er mit ihm auf eine Zeitreise geht, in der er ihn vom jungen, politisch inhaftierten Livaneli der 70er Jahre bis hin zu seiner Ernennung als UNESCO-Friedensbotschafter begleitet. Man lernt Livaneli auch privat kennen, mit seinen Tiefen und Höhen, seinen Ängste, seinen Freuden. Am Ende hat man einen Freund mehr.

 

Nach der Vorführung des Porträtfilmes stellt sich Zülfü Livaneli einem Podiumsgespräch im Festsaal des K4.

 

Filmlandschaften
TR · 2006 · 107 · OmU

Cenneti Beklerken

Warten auf den Himmel

Regie / Derviş Zaim

Im ottomanischen Reichsgebiet des 17. Jahrhunderts: Eflatun ist ein Meistermaler von Miniaturen, der nach dem Tod seiner Frau und seines Kindes mit seinem Kunsthandwerk aufhört. Um seine verstorbenen Angehörigen zu verewigen, malt er sie – entgegen dem islamischen Bilderverbot – im abendländischen Porträtstil. Er weiß: Das ist eine Sünde, und er hat deswegen Gewissensbisse. Dann soll er auf Anweisung des Großwesirs das Porträt eines Prinzen malen, der wider den Sultan von Anatolien rebellierte. Eflatun wird mit einer Leibgarde nach Anatolien gebracht. Während der Reise dorthin setzt er sich selbstquälerisch mit seinem künstlerischen Konflikt auseinander, bis ihn eine neue Liebe zu erlösen scheint.

 

Der Film ist nur vordergründig ein Historiendrama mit eindrucksvollen Bildern, Atmosphären und Szenarien, zugleich eine Art Roadmovie. Regisseur Derviş Zaim setzt sich in ihm mit ganz grundsätzlichen und gegenwärtigen Fragen des Verhältnisses von Kunst zu Gesellschaft, Religion und Politik auseinander.

Mit Serhat Tutumluer, Mesut Akusta, Melisa Sözen, Mehmet Ali Nuroğlu, Rıza Sönmez

Wettbewerb Spielfilm
DE · 2008 · 92 · OF

Chiko

Regie / Özgür Yıldırım

Chiko ist ein junger Türke und lebt in einem freudlosen Hamburger Vorort-Ghetto. Die einzige Chance, aus dem tristen Milieu herauszukommen, sieht er, gemeinsam mit seinem besten Freund Tibet, im Drogenhandel: schnelles Geld, Aufstieg und Respekt, Freizügigkeit, ein bisschen Macht. Ein fataler Kurzschluss, wie sich sehr bald bitter erweisen wird. Brownie, gespielt von Moritz Bleibtreu, kennt das Milieu auf dem Kiez und führt Chiko in die Drogenszene ein. Die Zeichen stehen gut, sehr gut sogar. Aber da begeht Tibet einen folgenschweren Fehler und ein Abgrund tut sich für beide auf ...

 

Denis Moschitto, der den Chiko äußerst eindrucksvoll und überzeugend spielt, ist selbst Kind einer türkisch-italienischen Einwandererfamilie. Der Film, von Fatih Akins Produktionsfirma »Corazon« produziert, ist ein wuchtiger wie provokanter Beitrag über das Umfeld, in der großstädtische Jugendkriminalität wächst und gedeiht. Sehr realistisch in der Bildsprache, und die ausdrucksstarken Bilder werden mit dem unwiderstehlichen Groove von Hip-Hop-Beats festgeklopft!

Mit Denis Moschitto, Moritz Bleibtreu, Volkan Özcan, Fahri Ogün Yardım, Reyhan Şahin

Wettbewerb Kurzfilm
DE · 2007 · 13 · OF

Dalibor

Regie / Kaya Inan

Was tun, wenn man den hartgesottenen Ganoven gibt und sentimental ist? Dalibor ist so einer: In einer U-Bahn will er einem Schlafenden die Brieftasche klauen. Er schleppt den Mann hinaus, bloß um festzustellen, dass der tot ist. Wohin mit ihm?

Filmlandschaften
DE · 2007 · 92 · OF

Dance for all

Regie / Elena Bromund, Viviane Blumenschein

Für Jugendliche aus unterprivilegierten Kreisen ein schmaler Hoffnungsstreif: sich fortzutanzen aus Armut und desolaten Zuständen. Zum Beispiel in den Townships von Kapstadt. Hier wurde im Jahr 1991 die Tanzkompanie »Dance fo all« von Philip Boyd und Phyllis Spira gegründet. Ihr Ziel: Tanzbegabungen nicht nur von der Straße wegzubringen, sondern ihnen eine professionelle Tanz- und Ballettausbildung zukommen zu lassen, die sie befähigt, sich womöglich sogar weltweit als konkurrenzfähig behaupten zu können. Hierdurch motiviert, stürzt sich der Nachwuchs mit phänomenaler Leidenschaft und Energie in die Ausbildung – mittlerweile rund 500 Kinder! Und genau davon erzählt dieser Film in bewegenden, weil authentischen Bildern. So entstand nicht nur ein äußerst lebendiger Film mit hinreißenden Tanzsequenzen, sondern auch ein gar nicht glamouröses Porträt von der Kraft, Träume zu verwirklichen und der sozialen Wirklichkeit dahinter.

Wettbewerb Spielfilm
DE · 2007 · 95 · OF

Der andere Junge

Regie / Volker Einrauch

Es gibt sie noch, die deutschen Durchschnittsfamilien. Etwa in einem soliden Hamburger Vorort. Da leben die Morells und die Wagners, beide Väter befreundet und in derselben Firma: einem Vertrieb für schwedische Fertighäuser. Sie pflegen Doppelkopfrunden und kultivieren ihre Idylle. Was sie nicht sehen: die Todfeindschaft zwischen ihren Söhnen Robert und Paul, beide in schwerster Pubertät. Der schwächere, Paul, erschießt Robert in einem Akt von panischer Notwehr. Und was tun die Eltern? Sie vergraben den Leichnam und glauben allen Ernstes, das alles vertuschen zu könen. Ein verhängnisvoller Irrtum, denn da wächst kein Gras drüber, sondern jetzt beginnt erst recht die groteske Tragödie.

 

Volker Einrauch inszenierte diesen Reihenhaus-Thriller als »Low Budget Art House Film« und konnte dennoch mit einem herausragenden Schauspielerensemble arbeiten. Erster Erfolg: Andrea Sawatzki erhielt beim »Montreal Film Festival« den Preis »Best Actress«!

Mit Willi Gerk, Andrea Sawatzki, Barbara Auer, Peter Lohmeyer, Christian Berkel, Hinnerk Schönemann, Adrian Topol, Gustav Peter Wöhler, Tim Oliver Schultz, Helene Grass, Carolin Spiess

Filmlandschaften
DE · 2007 · 56 · OF

Der Tag, an dem Theo van Gogh ermordet wurde

Regie / Esther Schapira, Kamil Taylan

Ein Schock: Es ist neun Uhr morgens, mitten auf einer belebten Straße in Amsterdam. Der Marokkaner Mohammed Bouyeri schießt auf den Filmemacher Theo van Gogh, schneidet ihm die Kehle durch und heftet mit einem Dolch ein fünfseitiges Pamphlet, verfasst »im Namen Allahs«, an dessen Brust. Der Mörder wird rasch gefasst. Sein Motiv: Van Gogh hat, zusammen mit der Islamkritikerin Aynan Hirsi Ali, einen sehr polemischen Film wider die Unterdrückung der Frauen im Islam gedreht: »Submission«, und er wollte ihn dafür »bestrafen«. Für Bouyeri, der zeitweise Wirtschaftsinformatik studierte und anfangs keineswegs fanatischer Islamist war, entwickelte sich der Koran zum ausschließlichen Lebensinhalt, während van Gogh diesen als Bruchstelle für seine Provokationen benutzte.

 

Der Film zeichnet von van Gogh das Porträt eines sprunghaften, widersprüchlichen Charakters mit Hang zur Selbstzerstörung. Sein Mörder wiederum, der in Haft beharrlich schweigt, scheint keineswegs ein psychisch gestörter Einzelgänger zu sein.

Filmlandschaften
DE · 2007 · 84 · OF

Die Anruferin

Regie / Felix Randau

Irm Krischka ist Anfang 30, eher unauffällig und arbeitet halbtags in einem Waschsalon. Aber sie ist sehr resolut im Umgang mit Kunden, Kollegen und zu Hause mit ihrer ungeliebten, stummen, ans Bett gefesselten Mutter. Wahrlich kein schönes Leben. Gäbe es da nicht das Doppelleben der grauen Irm, die eine schillernde Fantasie hat. Sie ruft anonym, mit verstellter Kinderstimme, wildfremde Menschen per Telefon an, schildert ihnen ihre – erfundenen – Lebensumstände. So kommt es zum Kontakt und Irm sucht dann die Telefonopfer als »Mutter« des fiktiven Mädchens auf. Dann lässt sie das Kind »sterben« – ein makabres Spiel. Und das gerät alsbald außer Kontrolle, denn Irm trifft auf eine Frau, deren plötzlichen Seelenkollaps sie unmittelbar erlebt. Die beiden Frauen entwickeln eine zerbrechliche, zaghafte Freundschaft zueinander, denn plötzlich erkennt Irm einen realen Menschen als Gegenüber an. Das Spiel wird beendet, aber dann treten neue, schockartig wirkende Komplikationen für Irm auf.

 

Felix Randau entwickelte ein filigranes Kammerspiel zweier verstörter, einsamer Seelen und hat mit Esther Schweins und Valerie Koch zwei ganz stark spielende Frauen in den Hauptrollen.

Mit Esther Schweins, Valerie Koch, Charlotte Bohning, Bernhard Marsch

Wettbewerb Kurzfilm
DE · 2007 · 13:2 · OF

Die Ehrlose

Regie / Sedat Aslan

Schwarz-Weiß-Film: Ein junger Mann türkischer Herkunft in einem Auto, ein älterer, der Fahrer, drückt ihm eine Plastiktüte in die Hand. Ernste Blicke: Der junge Mann geht zu einem Hochhaus, seine Schwester öffnet ihm. Sie hat das Elternhaus verlassen, hat ein Kind und zeigt es ihm: »Schau, das ist dein Neffe!« Sie verabschieden sich, als der Bruder plötzlich die Hand hebt ...

DOKU
TR · 2007 · 46 · OmU

Dışarısı nasıl?

Wie schaut es draußen aus?

Regie / Nursel Doğan

Yıldız: Eine nicht mehr junge Frau erzählt die Geschichte ihrer langjährigen Unterdrückung und Selbstbefreiung aus der Ummauerung von zwanghaften Traditionen, einem gewalttätigen Ehemann und einer Umwelt, die weibliche Unterwerfung immer noch als »Normalzustand« erachtet.

DOKU
DE · 2007 · 84 · OF

Draußen bleiben

Regie / Alexander Riedel

Zwei junge Mädchen haben sich in einem Münchner Flüchtlingsheim kennengelernt: Die eine ist aus dem Kosovo, die andere aus dem Nordwesten Chinas. Beide bekommen schließlich Asyl. In der Großstadtanonymität, in U-Bahnhöfen, aber auch beim Fußballspiel mit den »Harras Ladies« fühlen sie sich frei von Behördenaufsicht, Familienbanden und Lehrern. Vorläufig ...

Wettbewerb Kurzfilm
TR · 2007 · 15 · OmU

Dreams of lost time

Träume von verlorener Zeit

Regie / Faysal Soysal

Ein kurzer Film über mehr als ein ganzes Leben. Da steht ein Mädchen auf einem Balkon. Sie sagt: »Weil es im Traum keine Zeit gibt, lieben die Menschen ihre Träume.« Dann ist da eine Frau, die durch Erinnerungsbilder hindurchgleitet, und da ist deren Mutter. Und dennoch sind es keine drei verschiedenen Personen – und die Balkontür muss unbedingt offen bleiben!

Wettbewerb Spielfilm
DGR · 2006 · 105 · OmU

Eduard

Regie / Angeliki Antoniou

»Schuld und Sühne«, ganz im Sinne von Dostojewski, sind die zentralen Leitbegriffe dieses außergewöhnlich kraftvollen, dynamischen Films über einen albanischen Mörder. Eduard heißt er, und er begeht in Athen einen brutalen Mord. Er flüchtet nach Albanien, wo er freilich nirgendwo mehr innere Ruhe findet – er selbst, die anderen: Alles erscheint ihm fremd. Vorbei der schöne Traum von einer Karriere als Rocksänger. Schließlich wird er wegen eines Einbruchs eingesperrt, rebelliert, macht sich rundum Feinde und erlebt einen Kollaps. Ihn rettet ein deutscher Arzt, der dort lebenslänglich einsitzen muss und eine rätselhafte, vieldeutige, gleichwohl starke Persönlichkeit besitzt, und zu seiner Vaterfigur wird. Und dann, eines Tages, können die beiden fliehen – in welche Freiheit?

 

Eduard ist die tragende Hauptfigur, dessen charakterliche und seelische Entwicklung der aus Albanien stammende Hauptdarsteller Eshref Durmishi mit erstaunlicher Souveränität, Sensibilität und Energie gestaltet.

Mit Eshref Durmishi, André Hennicke, Ndricim Xhepa, Ermela Teli, Manos Vakousis, Meletis Georgiadis, Antonis Hatzis

Filmlandschaften
TR · 2007 · 92 · OmU

Fikret Bey

Herr Fikret

Regie / Selma Köksal Çekiç

Der Untergang einer alten Welt und ein einziger Tag im Leben eines alten Mannes. Fikret Bey besucht noch einmal sein Lebenswerk: eine alte Fabrik, längst zahlungsunfähig und kurz vor dem Abriss. Er durchwandert die alten Hallen, spricht mit den Menschen dort, erzählt ihnen aus seinem Leben. Seine warmherzigen Erinnerungen an hoffnungsvollere Zeiten werden konfrontiert mit der gnadenlosen sozialen und wirtschaftlichen Kälte, die längst Gegenwart geworden ist.

 

Obwohl die maroden Hallen und Räume der alten Fabrik permanenter Schauplatz sind, entwickelt der Film überzeugend ein Stück türkischer Zeitgeschichte und zeigt am Beispiel der tragischen Lebenslinien des alten Mannes die Verwerfungen und Verluste gesellschaftlicher wie humaner Werte. Regisseurin Selma Köksal hat intensiv recherchiert, und der kammerspielartigen Inszenierung merkt man positiv die Handschrift ihrer Theaterarbeit an. Ganz überragend und den »intimen« Film mühelos tragend: Hauptdarsteller Erol Keskin!

Mit Erol Keskin, Fuat Önan, Gökçe Algan, Metin Arslan

DOKU
TR · 2007 · 24 · OmU

Gölün Kadınları

Die Frauen vom See

Regie / Emine Emel Balcı

Das offene Meer, Fischerboote, die Küstenlandschaft im Abendlicht: eine Idylle. Tagträumende Fischer auf ihren Booten? Nein, denn da sind auch Frauen auf See, und sie arbeiten genauso wie die Männer. Weil sie müssen, weil das Meer die Familie sonst nicht mehr hinreichend ernähren würde. Und so entsteht aus einer Not die Tugend der Gleichberechtigung?

DOKU
TR · 2006 · 69 · OmU

Hakkari’den Ankara’ya: Kağıtçılar

Die Altpapiersammler von Hakkari bis Ankara

Regie / Alper Şen

»Der Job ist beschämend. Aber nicht für uns, sondern für dieses Land!« Das sagt ein junger Mann, der sich seinen Lebensunterhalt in der Großstadt Ankara durch verwertbaren Müll verdient. Und nicht vermeintlich »Asoziale« oder »Lebensschwache« tun so etwas, sondern sehr oft Opfer politischer Umstände.

Filmlandschaften
TR · 2006 · 66 · OmU

Halit Çelenk ile Bir Gün

Ein Tag mit Halit Çelenk

Regie / Ender Yeşildağ

Halit Çelenk, ein Name, der im selben Atemzug mit der 68er Bewegung der Türkei genannt wird. Ein Zeitzeuge der modernen und turbulenten Türkei. Ein Rechtsanwalt, der sein Leben lang für die Erhaltung und Entwicklung des Rechtsstaates in der Türkei gekämpft hat. »Ich bin ein Verteidiger. Ich habe die edlen und guten Menschen verteidigt, jene Menschen, die ihr Land und Volk liebten und ihr junges Leben dafür aufopferten. Mit diesen Menschen habe ich die Menschenliebe in einer friedvollen und freien Welt verteidigt. Ich liebe diese Menschen. Ist es zu schwer, sein Leben für diejenigen aufzuopfern, die sich selbst der Menschheit gewidmet haben?«

 

Dem Regisseur gelingt im privaten Gespräch mit Halit Çelenk ein intensiver Film, der mit der Aura und Authentizität dieser starken Persönlichkeit zu einer spannenden Kurzerzählung der 70er Jahre der Türkei wird.

Wettbewerb Kurzfilm
TR · 2007 · 13 · OmU

Hêlîn

Regie / Sibel Akkulak

Kunst & Leben: Eine Frau sitzt in der Badewanne, zeichnet etwas, zerreißt das Bild. Versucht es erneut. Sie geht ans Fenster, öffnet es und hört Kindergeschrei. Jetzt malt sie auf einer großen weißen Leinwand die Umrisse eines lebensgroßen, kauernden Körpers. Mit einem Messer schneidet sie die Konturen aus, dann holt sie einen Hammer ...

Filmlandschaften
TR · 2007 · 31 · OmU

Işkence Izleri Istanbul Protokolü

Folterspuren – Istanbul Protokoll

Regie / Tülay Karacaörenli

Im Jahr 1993 starb ein inhaftierter Student in Izmir in Haft, laut Autopsie an Tuberkulose. Das dortige medizinische Zentrum erhielt Hinweise, er sei tatsächlich an den Folgen von Folter umgekommen. Mithilfe des »Minnesota Protokolls« der »Human Rights Commission«, das Hinweise auf versteckte Folterspuren gibt, konnte man schließlich ärztliche Beweise für Folter vor Gericht bringen. Kurz darauf entstand in der Türkei ein Bündnis von Ärzten und Rechtsanwälten, mit dem Ziel doch selbst solch ein konkretes »Protokoll« zu erstellen. Hinzu kam die Methode der »Scintigraphie«, mit deren Hilfe selbst nach Jahren noch Folterspuren am Körper nachgewiesen werden können. Und so entwickelte sich zwischen 1996 bis 1999 das sogenannte »Istanbul Protokoll«.

 

Der Film lässt einige der mutigen Aktivisten und Initiatoren zu Wort kommen, die sich sehr überlegt mit der Duldung von Gewalt in Staat, Gesellschaft und Familie auseinandersetzen. Ein stiller, starker Dokumentarfilm ohne jede Polemik.

Wettbewerb Spielfilm
TR · 2007 · 99 · OmU

JanJan

Regie / Aydın Sayman

Fast eine Idylle: eine Kleinstadt in Anatolien. Aber die Sitten sind rau, das Leben ist hart. Und so verkauft eine Familie ihre wunderhübsche Tochter als Braut an einen reichen alten Mann. Der führt sie in einen »goldenen Käfig«, in dem sie freilich zu ersticken droht, angewidert von ihrem so selbstgerechten wie ignoranten und zudem noch impotenten Gatten. Sie schmiedet Fluchtpläne und verliebt sich ausgerechnet in JanJan, einen von allen Nachbarn als Narr belächelten jungen Mann mit eigentümlichem Verhalten. Sie wird schwanger – das Unheil ist programmiert! Der Ehemann bringt sie zu ihrer Familie und fordert sein Brautgeld zurück, worauf der Vater beschließt, die Tochter zwecks Erhalt der »Familienehre« zu töten. Aber die ist, ebenso wie JanJan, plötzlich wie vom Erdboden verschluckt.

 

»JanJan« erzählt seine Geschichte wie ein grausames Märchen, in oft archaischen, symbolhaften Bildern, und bietet überraschend realistische, oft groteske Situationskomik.

Mit Berk Hakman, Selen Seyven, Özay Fecht, Çetin Öner, Levent Yılmaz, Aykut Oray, Aykut Kayacik, Onur Dikmen, Necmettin Çobanoğlu, Ayten Uncuoğlu

Filmlandschaften
TR · 2007 · 140 · OmU

Kabadayı

Für Liebe und Ehre

Regie / Ömer Vargı

Das Gesetz der Straße: Es galt stets für Ali Osman und seine Freunde – sie waren die »Fürsten«, und der Ehrenkodex erforderte, dass sie die Schwachen beschützten. Jetzt freilich sind sie alte Männer und leben ganz friedlich bei Brettspielen. Bis Ali erfährt, dass er einen erwachsenen Sohn hat. Und der steckt in großen Rivalitätsproblemen mit Devran, einem Mitglied der Drogenmafia. Der Grund: dieselbe Frau! Und weil Devran mit äußerst unfairen Mitteln kämpft und den alten Ehrenkodex der Straße ständig missachtet, greift der Vater mit seinen alten Herren ein – es entwickelt sich ein Kampf auf Leben und Tod. Es ist auch eine Auseinandersetzung von Jung gegen Alt, Vergangenheit und Gegenwart.

 

1997 schufen Regisseur und Drehbuchautor Yavuz Turgul, Produzentin Mine Vargi und Schauspieler Şener Şen mit »Eşkiya – Der Bandit« einen Meilenstein des türkischen Kinos, jetzt ist das Trio mit Ömer Vargi erneut zusammen. Altmeister Şener Şen hat als Gegenspieler diesmal Kenan Imirzalioğlu, derzeit einer der beliebtesten jungen Schauspieler in der Türkei, dazu noch ein echter Frauenschwarm!

Mit Şener Şen, Kenan İmirzalioğlu, İsmail Hacıoğlu, Aslı Tandoğan, Ruhi Sarı

Filmlandschaften
DE · 2007 · 20:3 · OF

Land gewinnen

Regie / Marc Brummund

Der kleine Mischa ist Sohn illegaler Einwanderer aus Cerkassy. Die Eltern leben seit sieben Jahren in diversen Verstecken. Jetzt aber muss Mischa zur Schule gehen, und das bedeutet Bürokratie und Entdeckung. Sie wollen aber nicht fortgehen, und da hat die Mutter eine Idee – der Vater aber eine vielleicht noch bessere ...

Filmlandschaften
TR · 2007 · 110 · OmU

Lazlar

Die Lazen - Eine Geschichte von 4000 Jahren

Regie / Funda Özyurt Torun

Ein nahezu unbekanntes Volk: die Lasen. Inzwischen Teil des türkischen Staates, haben die Lasen freilich uralte kulturelle Wurzeln, und ihre Sprache ist keineswegs ein türkischer Dialekt, sondern eine völlig authentische Muttersprache. Angesiedelt sind sie an der südöstlichen Schwarzmeerküste, im Südwesten Georgiens und im Nordosten der heutigen Türkei. In der Regel haben sie eine hanefitisch-sunnitische Glaubenszugehörigkeit. Immerhin liegt der Ursprung der Lasen im antiken Kolchis, in der Argonautensage die Heimat der Medea, der späteren Frau von Jason, die ihm half, das »Goldene Vlies« zu rauben.

 

Filmemacher Funda Özyurt Torun fand uralte Traditionen immer noch gegenwärtig, etwa die Wiegenlieder oder bestimmte Trauerrituale. Eine erhebliche Popularität erfährt seit einiger Zeit in der gesamten Türkei lasische Rockmusik, die traditionelle lasische mit modernen westlichen Klangelementen verschmilzt. Eine Entdeckungsreise in eine unbekannte Kultur.

Wettbewerb Spielfilm
TR · 2007 · 119 · OmU

Mavi Gözlü Dev

Der blauäugige Riese

Regie / Biket İlhan

Das berührende Filmporträt eines großen Dichters: Im Jahre 1938 wird der Dichter Nazim Hikmet wegen angeblicher »kommunistischer Propaganda« im Bursa-Gefängnis eingesperrt und erhält Publikationsverbot. Er gewinnt freilich den Respekt seiner Mitgefangenen, er schreibt Liebesgedichte und politische Gedichte, epische Poeme wie die »Menschenlandschaften« und übersetzt sogar Tolstois »Krieg und Frieden« ins Türkische. Unermüdlich steht ihm seine Ehefrau Piraye zur Seite, aber er verliebt sich, noch in Haft, in eine andere Frau, Münewer, die ihn ebenfalls regelmäßig besucht. Größte seelische Spannungen sind die Folge, hinzu kommt die unabsehbare Haftdauer – er denkt an Selbstmord. 1950 wird Hikmet nach einem Hungerstreik und internationalen Protesten begnadigt, aber schon ein Jahr später muss er aus seiner Heimat fliehen.

 

Der Film konzentriert sich vornehmlich auf die persönlichen Aspekte von Nazim Hikmet, seine große Ausstrahlung, und zeigt ihn – überzeugend gespielt – als sehr warmherzigen, liebesfähigen Menschen.

Mit Yetkin Dikinciler, Dolunay Soysert, Özge Özberk, Uğur Polat, Rıza Sönmez, Ferit Kaya

Wettbewerb Kurzfilm
DE · 2007 · 14 · OF

Mein Vater schläft

Regie / Grzegorz Muskala

Fast eine Idylle: ein Bauernhof im Sommer, mit Hasen im Stall. Wunderschöner Platz für den kleinen Buben Mika, um mit seiner kleinen Schwester herumzutollen. Aber im Haus geschehen verstörende Dinge, dem Vater geht es sehr schlecht, die Mutter schaut sorgenvoll. Und dann kommt auch noch ein toter Hase in die Küche ...

Filmlandschaften
DE · 2007 · 98 · OF

Meine Mutter, mein Bruder und ich

Regie / Nuran David Çalış

Regensburg in der Oberpfalz: Ein Junge, Garnik, hütet seine Mutter wie ein »Blindenhund« – sie kann kaum mehr sehen. Der Vater starb hier, fern der Heimat, in fremder Erde begraben. Der Junge hat einen Traum von einem Schatz in seiner Heimat Armenien. Sie sind Asylbewerber in Deutschland seit zehn Jahren und die Entscheidung über ihren Aufenthalt steht bevor. Sein älterer Bruder Areg studiert in München Jura, hat eine deutsche Freundin, träumt von einer Karriere als Filmemacher, bewirbt sich an der Filmhochschule. Aber die Mutter zieht ihn immer wieder zurück, will, dass er eine Armenierin zur Frau nimmt, und er gerät in eine Identitätskrise: Er will sich in seiner neuen Heimat anpassen, nicht zurückblicken. Er verspricht ihr einen »Oscar« aus purem Gold und inszeniert sogar eine Verleihungsfeier mit Bekannten. Und schließlich – sie sind endlich anerkannt in ihrem Asylverfahren – reist er mit der todkranken Mutter und seinem kleinen Bruder nach Armenien. Und – sie finden den Schatz, von dem Garnik stets träumte!

Mit Erhan Emre, Lida Zakaryan, Kurt Onur Ipekkaya, Mira Bartuschek, Corinna Harfouch, Stefan Hunstein

Wettbewerb Spielfilm
TR · 2007 · 105 · OmU

Mutluluk

Glück

Regie / Abdullah Oğuz

Es beginnt in einem kleinen Dorf und führt zu einer atemberaubenden Odyssee quer durch die heutige Türkei. Ein Mädchen namens Meryem wurde vergewaltigt. Cemal, ein Verwandter, wird beauftragt, die »Familienehre« wiederherzustellen: Er soll mit ihr fortgehen und sie an einem anonymen Ort töten. Im letzten Augenblick überkommen ihn Skrupel und Zweifel. Zurück ins Heimatdorf können sie nicht, also bewegen sie sich ziellos durch Land und Landschaften. Sie erleben Abenteuer und Überraschungen, bis sie auf einen anderen »Aussteiger« stoßen: einen Universitätsprofessor aus Istanbul. Gemeinsam gehen sie auf eine Reise, die ihr bisheriges Leben einschneidend verändern wird.

 

Der Film basiert auf einer Erzählung von Zülfü Livaneli und schildert äußerst anschaulich den Zusammenprall der traditionellen mit der modernen Türkei: ein Roadmovie, das den Zuschauer von den östlichsten bis zu den westlichsten Punkten des Landes führt.

Mit Talat Bulut, Özgü Namal, Murat Han, Mustafa Avkıran, Emin Gürsoy

Wettbewerb Kurzfilm
TR · 2007 · 9 · OmU

New York Trilogy-part 3: Red coat

Regie / Deniz Buga

Der dritte Teil einer assoziativen Trilogie über den Moloch New York. Ein junger Mann, eigentlich ein Student, sucht ein Appartment in einem anonymen Hochhaus auf. Dort erwartet ihn ein älterer Mann, Kunde des jungen für sexuelle Dienstleistungen gegen Geld.

Wettbewerb Kurzfilm
DE · 2007 · 9:30 · OF

One day in september

Ein Tag im September

Regie / Sohrab Mohammad

Wer sich ins Drogenhandelsmilieu begibt, kommt darin um! Die kurze Geschichte zweier Freunde, die Kokain verkaufen wollen. Ein Kamerafilm in stark stilisierter, symbolischer Bildsprache.

DOKU
DE · 2007 · 17 · OF

Parzellenglück

Regie / Anna Schäfer, Eva Lippold

Mitten in Deutschland: Eine Schrebergartenidylle mit internationaler Besetzung – Deutsche, Türken, Inder, Russen, Polen pflanzen nebeneinander Gemüse und Obst, schneiden Hecken. Ein multikulturelles Biotop? Keineswegs, denn schon ein gemeinsames Sommergartenfest erweist sich als problematisch ...

Wettbewerb Kurzfilm
TR · 2007 · 8:48 · OmU

Postacı

Der Postbote

Regie / Tuğçe Akçay

Postboten leben gefährlich, wenn sie schlecht sehen und ihre Brille von fußballspielenden Kindern abgeschossen wird! Vollends grotesk wird es, wenn man dann unter größten Bedrängnissen einen Brief falsch einwirft. Ein Stummfilm mit Musik.

Wettbewerb Spielfilm
TR · 2006 · 109 · OmU

Rıza

Riza

Regie / Tayfun Pirselimoğlu

Romantisch ist dieses Leben nicht: Riza ist passionierter Lastwagenfahrer auf der Strecke Istanbul–Adana. Ein Motorschaden entwickelt sich für ihn zur Tragödie. Hoch verschuldet sucht er Arbeit, um Geld aufzutreiben. In einem desolaten Hotel, seiner Unterkunft, leben bizarre Existenzen: etwa ein junger kurdischer Hausierer, ein schwuler Matrose, der auf sein Schiff nach Amerika wartet, sowie ein alter Afghane, der mit seiner Schwiegertochter illegal zu seinem Sohn nach Italien will. Aysel, eine ehemalige Freundin, kann und will Riza nicht helfen. In seiner Ratlosigkeit und Verzweiflung beraubt und tötet er einen Menschen. Nun erst ist er in einer wirklichen Krise.

 

»Riza« ist eine äußerst intensive Studie von der Einsamkeit einfacher Menschen in der sozialen Kälte der Randbezirke einer Großstadt, stark gespielt. Vor dieser düsteren Kulisse entwickelt Tayfun Pirselimoğlu das durchaus komplexe, von Ängsten und Verdrängungen geprägte Innenleben seines »Helden« Riza.

Mit Rıza Akın, Nurcan Eren, Hayati Pirselimoğlu, Muhammed Cangören, Melissa Ahmedi

Filmlandschaften
I · 2007 · 108 · OmU

Saturn opposite

Ein Leben ist nicht genug

Regie / Ferzan Özpetek

Ein Großstadtfilm, mitten im Herzen von Rom. Hier erleben wir eine nur anfangs sehr muntere Gruppe von nicht mehr jungen, miteinander befreundeten Leuten, die urplötzlich in Sinn- und Beziehungskrisen stolpern. Alles wird in Frage gestellt: Freundschaften, Liebesverhältnisse, Lebensrealitäten. Die Auseinandersetzungen werden genährt von schlecht verborgenen Emotionen und Ängsten. Ist das eigene Leben noch zu retten? Gibt es überhaupt Alternativen, und wenn ja, sind sie möglich? Jeder der Filmcharaktere ist konfrontiert mit dem Verlust von einer geliebten Person – zudem steht »Saturn in Opposition« – die Sterne lügen nicht!

 

Regisseur Ferzan Özpetek hat keinen Film über Astrologie gedreht, sondern mit sehr großer Präzision das oft wie ferngelenkt wirkende Handeln seiner Figuren beobachtet und in nur vordergründig kühle, durchkomponierte Bilder von großer Klarheit gesetzt. Der Film ist auch ein Spiegel, den er seiner Generation von halbwegs Arrivierten entgegenhält: So etwas hat seit Fellinis »Roma« große Tradition ...

Mit Stefano Accorsi, Pierfranceso Favino, Serra Yılmaz, Luca Argentero, Isabella Ferarri

Wettbewerb Spielfilm
DE · 2007 · 80 · OF

Sieben Tage Sonntag

Regie / Niels Laupert

Fast wie im wirklichen Leben: eine Clique von Jugendlichen, im fantasievernichtenden Plattenbaumilieu. Kein schöner Ort für hoffnungsvolle Perspektiven, stattdessen Tristesse, Langeweile und diffuse Aggressivität. Und da sind die Mädchen. Wie will man vor ihnen eine gute männliche Figur machen? Alkohol ist das Schmiermittel, und im Halbrausch schließen zwei der jungen Burschen eine fatale Wette ab, mit höchstem Einsatz – das Leben eines wildfremden Menschen. Noch mehr Alkohol, und das Opfer findet sich schließlich in einem anonymen U-Bahnhof.

 

Regisseur Laupert wurde inspiriert durch einen Zeitungsartikel in der »Süddeutschen« über zwei Jugendliche, die aus nichtigstem Anlass mit schockierender Brutalität eine solche »Wette« realisierten, die einen Unbeteiligten auf grausame Weise das Leben kostete. Ein durchaus schockierender Film, der die wurzellose Spirale von Gewalt ohne die übliche Kinoästhetik nachzeichnet.

Mit Ludwig Trepte, Martin Kiefer, Jil Funke, Karin Baal, Antonio Wannek, Jennifer Ulrich

Ehrengäste
TR · 1989 · 105 · OmU

Sis

Der Nebel

Regie / Zülfü Livaneli

Die Familie eines Richters hört aus den Morgennachrichten im Radio vom erfolgreichen Militärputsch in der Türkei – mit unterschiedlichen Reaktionen etwa der zwei jungen Brüder. 18 Jahre später, nachts irgendwo in der Großstadt: ein Schuss fällt, ein Mann stirbt. Es ist einer der Söhne des nun Ex-Richters, ein links engagierter Student, der mit seinem anderen, rechts orientierten Bruder nahe der Universität eine Wohngemeinschaft hat. Wer war der Mörder, und warum? Der Vater begibt sich auf Spurensuche und gerät in ein Gestrüpp von Mutmaßungen, Widersprüchen, Verschleierungen und Lügen.

 

»Nebel« erzählt am Beispiel einer Familiengeschichte von den gesellschaftlichen Widersprüchen und Konflikten, die das Leben in der Türkei prägen, davon wie Kleinmut, Opportunismus, Habgier und Ignoranz sich zu einem undurchdringlichen sozialen Dschungel – Nebel – verdichten können, in dem sich sämtliche Spuren von Wahrheit verflüchtigen.

Wie schon in »Eisenerde, Kupferhimmel« stand der Deutsche Jürgen Jürges hinter der Kamera und schuf oft düstere, stets aber dichte Bilder, die dem Film eine Atmosphäre von allgegenwärtiger Bedrohung verleihen.

»Nebel« wurde auf renommierten Filmfestivals wie Valencia und Montpellier mit dem Preis des „Besten Films“ ausgezeichnet.

 

Mit Aslı Altan, Rutkay Aziz, Sevtap Parman, Uğur Polat

DOKU
DE · 2007 · 40 · OF

Spurensuche

Regie / Yvonne Rüchel-Aebersold

In einer Kiste auf dem Flohmarkt finden sich private, stumme Super-Acht-Filme des verstorbenen, 1935 in Deutschland als Sohn eines jüdischen Vaters geborenen Münchner Schauspielers Heinz-Hermann Bernstein. Sie sind der Ausgangspunkt einer Recherche nach den noch lebenden Frauen, mit denen er auf den Filmen zu sehen ist: Mosaikstücke eines Porträts.

Filmlandschaften
DE · 2007 · 20 · OF

Streikblues

Regie / Stefan Ludwig

Irgendwo in Bayern: Wieder einmal soll eine Fabrik aus Profitgründen geschlossen werden. Es wird beschlossen, zu streiken. Unter den Streikenden: Xaver und seine Frau Karin, deren Eheleben durch die zermürbenden Umstände massiv ins Wanken kommt.

Der Film enthält auch Aufnahmen des Nürnberger AEG-Streiks!

Wettbewerb Kurzfilm
TR · 2007 · 12 · türkisch

Sükut

Sükut – Stille

Regie / Deniz Ceyhan Arman

Ein moderner türkischer Haushalt, luftig, hell, praktisch eingerichtet. Der Vater geht zur Arbeit, sitzt am PC, telefoniert. Die Mutter zu Hause bleibt liegen, ihr kleiner Junge kommt zu ihr, sucht Nähe, Kontakt. Vergeblich. Der Vater kommt heim, setzt sich allein in die Küche, isst. Kein einziges Wort zwischen ihnen. Da reißt das Kind der Papierfigur, die es gemalt und ausgeschnitten hat, den Kopf ab ...

Filmlandschaften
DE · 2007 · 60 · OF

Tagebuch eines Filmreisenden: Fatih Akin

Regie / Monique Akın

Dass Fatih Akin seine Filme nicht am Bürotisch entwickelt, überrascht niemanden. Er ist agil, neugierig und scheint über Energien ohne Ende zu verfügen. Also wäre es doch interessant, wie ein Film in so einem Kopf entsteht und dann zur sichtbaren Realität wird! Genau das dachte sich auch seine Frau Monique: Zusammen mit Akins persönlicher Assistentin Nurhan Şekerci drehte sie eine hautnahe Filmreportage während der gesamten Entstehung von Akins letztem, längst vielfach preisgekröntem Film »Auf der anderen Seite«.

Wie arbeitet dieser Mann, wann und warum trifft er welche Entscheidungen? Wie geht er mit seinen SchauspielerInnen, seiner Crew um? Hat er Starallüren entwickelt? Kennt er überhaupt noch ein Leben jenseits von Film & Kino? Fragen über Fragen, die dieser Film sehr facettenreich beantwortet, ohne Fatih Akin zu nahe zu treten. Das Resultat: ein sehr intensiver, persönlicher, lebendiger Film über einen äußerst emotional agierenden Regisseur, der ein Suchender ist und jede Routine wie der Teufel das Weihwasser meidet.

Wettbewerb Kurzfilm
DE · 2007 · 7 · OF

Tembûr

Regie / Hannes Treiber

Was kann man groß tun, wenn man kurdischer Immigrant ist? Man wird Müllmann und hat ignorante Kollegen, bar jeder Sensibilität. Schlimm, wenn man selbst traumatisiert ist und deswegen nicht einmal Musik auf der Saz spielen kann – und in der Behausung eine kleine Tochter wartet. Die aber unternimmt eines Tages etwas gegen die Schwermütigkeit des Vaters.

Filmlandschaften
DE · 2007 · 15 · OF

Tohuwabohu

Regie / Mara Eibl-Eibesfeldt

Mutti deponiert ihren kleinen Tim kurzzeitig bei Opa auf dem Bauernhof. Da gibt es kein Fernsehen und Tim langweilt sich zunächst. Aber Opa hat einiges zu bieten, zum Beispiel ein ganz großes Segelboot. Und dann spielen sie lustige Erschreck-Spiele miteinander, bis plötzlich etwa Unerwartetes passiert ...

Wettbewerb Kurzfilm
DE · 2006 · 9 · OF

Tradition

Regie / Peter Ladkani

Alle Verwandten und Bekannten sind fein angezogen, man feiert ein Fest zu Ehren eines kleinen türkischen Jungen. Behaglich ist ihm nicht, und auch das Geschenk, das man ihm feierlich überreicht, freut ihn nicht. Und dann wartet er an einer Bushaltestelle auf seine ältere Schwester, die frohgemut und leichten Sinnes im eigenen Auto anrauscht, ihn abzuholen. Da öffnet der Junge das »Geschenk« ...

Filmlandschaften
TR · 2007 · 90 · OmU

Troya

Troja

Regie / Rıza Baloğlu

Troja, eine unsterbliche Legende, die selbst heute die Phantasie zu bewegen vermag. Dieser Dokumentarfilm beschäftigt sich zwar auch mit Mythos und Realität des historischen Ortes, insbesondere freilich mit dem ganz realen »Schatz« von Troja, der als Beuteobjekt zerstückelt und zerstreut ist. Noch jetzt streiten sich etwa Deutschland und Russland über Teile des Schatzes, den Heinrich Schliemann einst »legal« auf Schleichwegen nach Berlin überführte und der nach 1945 von den Russen zum Teil als »Reparationsleistung« beschlagnahmt worden war. Teile davon lagern nun in Moskau und St. Petersburg. Auch die Türkei, als Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, sieht sich als legitimen Erben jenes Schatzes.

 

Riza Baloğlus Film lässt sich allerdings nicht auf Rechtsfragen und Anspruchsdenken ein, sondern sieht Troja als außerordentliches Kulturerbe der Menschheitsgeschichte und schlägt folgerichtig vor, Troja möge eine symbolische »Stadt des Friedens« werden, in der die gesamten Fundstücke Forschern wie Besuchern frei und ungeteilt zur Verfügung stehen.

Ehrengäste
TRD · 1987/88 · 98 · WDR&Roadmovies, OF

Yer Demir Gök Bakır

Eisenerde Kupferhimmel

Regie / Zülfü Livaneli

Angst beherrscht das Leben der Bewohner eines anatolischen Bergdorfes: vor ihrem Bürgermeister sowie vor einem unsichtbaren Gläubiger. Denn die Menschen leben als Schicksalsgemeinschaft in ihrem eingeschneiten Dorf wie in einem Gefängnis, abgeschnitten von der Außenwelt. Zudem stehen sie aufgrund schlechter Ernte bei einem städtischen Kaufmann in Schulden, die der nach der Schneeschmelze durch Besitzpfändung eintreiben kann. Der Bürgermeister ordnet an, dass alle Besitztümer versteckt werden sollen, jedoch widersetzt sich dem ein Außenseiter namens Taşbaşoglu. Vielleicht ist er ein Heiliger und kann die Dorfgemeinschaft retten? Eventuell vollbringt er sogar Wunder?

 

Livaneli hat mit diesem Debüt als Regisseur einen der bekanntesten Romane Yaşar Kemals verfilmt. Der von Wim Wenders koproduzierte Film lebt ganz wesentlich von der poetischen Kraft der Bilder in einer archaisch anmutenden Winterlandschaft und dem intensiven Spiel aller Akteure. So entstand ein zeitloses »Volksmärchen«, dessen Substanz überall verstanden werden kann. Der Film wurde 1987 im offiziellen Programm von Cannes uraufgeführt und von europäischen Filmexperten als einer der besten Filme Europas eingestuft.

 

Mit Rutkay Aziz, Yavuzer Çetinkaya, Macide Tanır, Gürel Yontan, Uğur Esen, Serap Aksoy, Peter Schulze, Ingeborg Carstens

Wettbewerb Spielfilm
TR · 2007 · 97 · OmU

Yumurta

Ei

Regie / Semih Kaplanoğlu

Ein sehr poetischer Film mit kraftvollen Bildern: Yusuf, ein Dichter, kehrt nach vielen Jahren Abwesenheit zurück in seinen Heimatort. Seine Mutter ist gestorben, und er sucht ihr heruntergekommenes Haus auf. Dort trifft er überrascht auf Ayla, eine junge Frau, die viele Jahre mit seiner Mutter zusammengelebt hat, ohne dass er davon wusste. Sie verlangt von ihm die Ausführung einer Opferzeremonie, die seine Mutter zu Lebzeiten nicht mehr realisieren konnte. Yusuf, von Schuldgefühlen geplagt und auch angezogen von der ländlichen Atmosphäre mit ihrem ganz anderen Lebensrhythmus, willigt ein. Zusammen mit Ayla macht er sich auf zu der Grabesstätte eines heiligen Mannes, wo die Zeremonie stattfinden soll.

 

»Yumurta« (»Ei«) ist der erste Teil einer geplanten filmischen Trilogie von Semih Kaplanoğlu, »Ei«, »Milch«, »Honig« betitelt. Zentrales Thema ist ein subjektiver, poetischer Begriff von Zeit und Raum, Wahrnehmung und Erinnerung, orientiert an Filmemachern wie Bresson und Tarkowski.

Mit Nejat İşler, Saadet Işıl Aksoy, Ufuk Bayraktar, Tülin Özen, Gülçin Santırcıoğlu, Kaan Karabacak, Semra Kaplanoğlu

Filmlandschaften
TR · 2007 · 105 · OmU

Zincirbozan

Zincirbozan - Politiker in Arrest

Regie / Atıl İnaç

»Heilige türkische Nation! Die türkischen Streitkräfte haben die Führung des Landes vollständig übernommen.« Diesen lakonischen Satz sprach Putsch-General Kenan Evren am 12. September 1980 über Funk und Fernsehen. Der Filmtitel »Zincirbozan« bezieht sich auf jenen Militärstützpunkt, in dem nach dem Putsch führende Politiker des Landes interniert wurden. Das Land bewegte sich damals am Rand des Bürgerkriegs – Süleyman Demirel war Ministerpräsident – und der Militärputsch war ein schmerzhafter Einschnitt in die demokratische Geschichte der Türkei, mit Auswirkungen bis in die Gegenwart.

 

Regisseur Atıl İnaç rekonstruiert jene Zeit mit ihren blutigen Begleitumständen mit den Mitteln des Polit-Thrillers, scheut nicht vor Melodramatik zurück, die er mit trockener Ironie kontert – ähnlich dem Filmklassiker »Z« von Costa-Gavras. Heftige Diskussionen rief dieser Film, der als Drahtzieher jenes Putsches die USA bezichtigt, in der Türkei bei seinem erfolgreichen Start in rund 100 Kinos hervor.

Mit Bülent Emin Yarar, Haldun Boysan, Suavi Eren, Ayşe Tunaboylu, Suna Selen, Münir Kutlu, Ege Aydan