Newsletter vom 14.03.2019
Festival läuft auf Hochtouren – Wettbewerb hat begonnen

Großes Interesse für Festivalgespräche mit den Ehrengästen Margarethe von Trotta und Ediz Hun sowie den Gedankenaustausch zwischen Zülfü Livaneli und Dr. Ulrich Maly.

Die Jury der Spielfilme hat unter der Leitung von Kadir Inanir begonnen, die Filme zu sichten. Die Filmvorführungen mit anschließenden Filmgesprächen zusammen mit den angereisten Künstlern zieht ein großes Publikum an.

Die Preisverleihung ist am Samstag um 20:30 Uhr im Heilig-Geist-Saal.

Aus dem Festivalgespräch mit Margarethe von Trotta

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Margarethe von Trotta, Klaus Eder

Im Anschluss an die Vorführung von „Rosa Luxemburg“ berichtete Margarethe von Trotta, wie akribisch sie für Filme wie diesen recherchiert, um sich eine Figur zu erschließen. Gleichzeitig machte sie aber auch deutlich, wie wichtig das fiktionale Element für Filme wie Rosa Luxemburg und Hannah Arendt ist, damit die historische Ereignisse für das Publikum interessant erzählt werden können. Spannend war es auch ihr zuzuhören, welche Widerstände sie als Frau in den 70er Jahren überwinden musste, um als Regisseurin wahrgenommen zu werden. Das hätte sie erst mit ihrem Erfolg auf internationaler Ebene erreicht.

Aus dem Festivalgespräch mit Ediz Hun

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Ediz Hun
Im Gespräch mit der Festivalleiterin Ayten Akyildiz unterhielt Ediz Hun das Publikum mit seinen Anekdoten und seinen reichen Erfahrungen in Kino, Wissenschaft und Politik. Seine Erfolge verdankt er nach eigener Aussage der Disziplin, die er auf Filmsets lernte. Allerdings hätte er auch sehr viel Glück gehabt, sodass er die richtigen Projekte angehen konnte. Er plädierte für einen liebvollen Umgang unter den Menschen mit viel Verständis für einander.

Aus dem Festivalgespräch: Zülfü Livaneli mit OB Dr. Ulrich Maly

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Alexander Jungkunz, Zülfü Livaneli, Dr. Ulrich Maly

„Alle Menschen werden Brüder“

Das von Alexander Jungkunz moderierte Podium mit Zülfü Livaneli und OB Dr. Ulrich Maly bewegte sich weit ab von der Tagespolitik und war dennoch hochpolitisch. Zülfü Livaneli verwies auf die Probleme, die Vorurteile und Unwissen verursachen, wenn es um Nahost geht. Viele europäischen Politiker hätten den hohen Wert der laizistischen Reformen von Mustafa Kemal Atatürk nicht richtig eingeschätzt. Ohne Laizismus in der Türkei könne Europa mit der Türkei kaum in einen Dialog eintreten. Das fehlende Wissen der europäischen Politiker über die heterogene Kulturlandschaft der Türkei sowie über den geschichtlichen Kontext sei auch ein Hindernis im Umgang mit der Türkei. „Wir kennen uns zu wenig“ war hier sein Credo. Das hätte in den letzten Jahren auch zu einer gegenseitigen Ignoranz geführt.

Im Allgemeinen würden wir unter der Diktatur der Mehrheitsgesellschaften leiden, auch wenn es unter dem Deckmantel Demokratie läuft. Wir brauchen ein neues Verständnis für Begriffe, wie Demokratie und Menschenrechte, um Missverständnissen vorzubeugen. Kunst und Kultur seien beim Dialog der Kulturen wie das Öl in Maschinen, ohne das ein Maschine nicht reibunglos läuft. Letztendlich brauchen wir Frieden oder wie es Schiller ausdrückte, „Alle Menschen werden Brüder“.

Dr. Maly warnte vor der zunehmenden Verschiebung der Grenze zwischen Privatsphäre und öffentlichem Raum, in dem seit tausenden Jahren auch Politik gemacht wird. Immer mehr gerät die Privatsphäre zum öffentlichen Raum und umgekehrt.

Man dürfe auf die politischen Entwicklungen in den Ländern wie Ungarn, Polen, USA oder die Türkei nicht mit dem Finger der europäischen Arroganz zeigen. Vielmehr beobachtet Maly die Entwicklungen mit einer gewissen Sorge um unsere Partnerländer.

Generell plädiert Dr. Maly für einen transkulturellen Dialog zwischen unterschiedlichsten Kulturen. Der Umgang mit dem aufkeimendem Nationalismus erfordert unnachgiebiges Engagement und Aufklärung. Dafür sei der Dialog zwischen allen Gesellschaftsteilen notwendig. Allerdings würde speziell der Dialog zwischen den Religionen Zeit und Geduld erfordern. Wir müssen unnachgiebig für eine friedvolle Gesellschaft eintreten, in jeder Generation vom Neuen anfangen und dabei uns auch über kleine positive Schritte freuen.

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